An der Ahr, an der Ahr – ja was machen die da…?
Na ja, dass die an der Ahr guten Wein machen, wusste ich - den Rotweinwanderweg durften wir in den 80gern auf der Schul - Klassenfahrt erobern (bzw. damals war es eher ein müssen!) und zum Training war ich oft genug im Ahrtal unterwegs, um mir die nötige Fitness für die großen Rennen zu holen.
Das man aber auch familienfreundlich Radwandern kann, stellte ich auf einem Kurztrip fest, der als Untertitel gut und gerne "Murphys Law" hätte tragen können:
Also, alles was schiefgehen kann geht auch schief – hier eine Kostprobe: Wir fuhren, wie man es als Wochenendurlauber gerne macht, am Sonntag von Köln Richtung Dernau, denn wir wollten den Mittelteil mit den zerklüfteten Felsen und diversen Strecken auf alten Bahntrassen erkunden. Erst Unfall, dann Vollsperrung und Unbehagen im Kindersitz bei unserem jüngsten – Olli, 3 Jahre.
Nach einer ewig anmutenden Umleitung kamen wir eine ganze Stunde später als erwartet an.

Die Luftpumpe, die ich eingepackt hatte, passte dann nicht auf die Ventile des Kinderanhängers, aber hier halfen uns nach kurzer Zeit andere Ahr - Touristen – und so sollte es losgehen mit einem Familienfoto vor der Abfahrt. Nach dem 2. Drücken des Auslösers ging die rote Lampe an, und da wusste ich, dass es mehr als 10 Fotos wohl nicht werden würden…
Dennoch ließen sich meine Frau Heike, sowie die Jungs Alexander (10) und eben Olli nicht ins Boxhorn jagen und wir bestiegen unsere Stahlrösser. Wir zogen los, der Ahr entgegen, und es war schön zu sehen, dass viele Leute die gleiche Idee hatten wie wir. Es herrschte reges radeln, aber auf dem gut ausgebauten Radweg hatte man nie das Gefühl, es sei überlaufen – oder passt hier überfahren besser?

Recht bald kam der Saffenberger Tunnel – 285 m lang und man wusste auch im Halbdunkel sofort: "Wir sind nicht allein". Was die Menschen dazu bringt, wenn sie mit Fahrrädern durch Tunnel fahren, Geräusche zu machen, die ganz deutlich belegen, dass wir vom Affen abstammen, weiß ich nicht. Wir jedenfalls brüllten mit so gut es ging – nur Olli im Anhänger fand das etwas "dööf".
Die Begegnungen im Tunnel beschränkten sich ob der guten Beleuchtung nicht nur auf entgegenkommende Radfahrer, sondern eine Bilderserie mit eben diesem Titel, nämlich "Begegnungen" zierte die gesamte Strecke – ein Open Air Museum quasi, nur nicht ganz unter freiem Himmel.

Kaum aus dem Tunnel raus, locke die erste Versuchung – ein Biergarten direkt am Bahnsteig der Ahrtalbahn. Das heißt, wer hier zu lange sitzt, der könnte theoretisch den Rest des Weges mit dem Zug zurücklegen…

Sogar einen Fanclub besitzt die Ahrtalbahn, wie das Beweisfoto zeigt – ob die Dame zu lange dem Bier im Garten frönte, wollte sie mir nicht verraten…
In Ahrbrück, wo wir ein Brückenfoto machten (danach war die Kamera definitiv alle…) ging es dann wieder durch das sich öffnende Tal über tolle Wege abseits der Straße.
Bei einer weiteren Rast diskutierten wir mit gleichgesinnten Familien, ob denn die Fliegen eher Personen die im Schatten sitzen heimsuchen – das wäre doch mal ein gern gesehenes Thema einer wissenschaftlichen Studie. Den Kindern war es egal, sie rannten über die Wiesen und kickten den im Anhänger mitgebrachten Fußball.

Hinter Laach bis Altenahr mussten wir kurzfristig auf der Straße fahren, und hier bereuten wir den Entschluss, "Sonntagsfahrer" zu sein, ein wenig. 4700 KFZ pro 24 Stunden steht zwar auf der RadWanderland-Homepage, aber Sonntags bei schönem Wetter sind es sicherlich alleine 1000 Motorradfahrer – pro Stunde versteht sich. Es war allerdings ein gutes Miteinander, und Olli hatte seinen Spaß im Kinderanhänger: "boh papa, kuck mal der ist schnell…"

In den weiteren Orten Hönningen und Insul füllten wir die Trinkflaschen auf und bewiesen, dass nicht alle Sprichwörter richtig sind: Wir rasteten wieder, aber Rost haben wir keinen angesetzt. Das lag aber dann vielleicht an der Beschaffenheit des Rückwegs: Immer leicht bergab. Denn obwohl die Schönheit der Strecke weiter lockte, drehten wir hier um, damit aus dem Familienausflug nicht ein Familiendrama werden würde – mit überforderten und unzufriedenen Kindern.
Eine tolle Sache mit Weile ohne Eile durch das Ahrtal zu radeln – können wir jedem wärmstens empfehlen, aber bitte nicht unbedingt Sonntags.
Und ein Tipp noch: Lassen Sie den Murphy zu hause!
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Habe selten so gelacht
:-))))
liest sich gut...
schön geschrieben :)
Bin auf Neues gespannt!
Den Ahr-Radweg habe ich auch erlebt - fast so wie Marcel Wüst, nur ohne die -zig Motorradfahrer - war an einem Wochentag unterwegs, da ging es wohl etwas ruhiger zu. Allerdings musste ich auch hier auf der Strecke zwischen Laach und Altenahr aufpassen - vielleicht ergibt sich hier ja für die Radwegeführung mal eine Lösung.
Wo geht denn wohl die nächste Tour von Marcel Wüst im RadWanderland hin? Bin auf den nächsten Bericht jedenfalls jetzt schon gespannt - mal schauen, was Murphy dann bereithält...
Anja